TOP Ö 4.1: Beantwortung einer Anfrage von Herrn Matthes und Frau Paschen vom 12.11.2003 "Bücherei Friedrichsgabe und Glashütte"

Beschluss: noch nicht festgelegt

Abstimmung: JA-Stimmen:0 NEIN-Stimmen:0 Enthaltungen:0

Herr Syttkus gibt die folgende Beantwortung eines Prüfauftrages der FDP an die Verwaltung und der dazu gestellten Anfrage von Herrn Rudolph zu Protokoll.

 

Herr Rudolph fragt im Ausschuss für Finanzen, Werke und Wirtschaft am 28.01.2004 an:

 

"Ich bitte um Auskunft über den Sachstand zum Auftrag der FDP vom 12.11.03 bezüglich der Schließung der Büchereien in Friedrichsgabe und Glashütte."

 

Die Anfrage der FDP lautet:

 

’"Um die Deckungslücke des Haushaltes weiter verringern zu können, stellt die FDP den Prüfauftrag an die Verwaltung, die Möglichkeit der Schließung der Büchereien Friedrichsgabe und Glashütte mit einer Vorlage für die aktuellen Haushaltsberatungen zu bewerten."

 

Ergänzend schlägt Frau Paschen vor, ggf. ersatzweise den Einsatz eines Büchereibusses in die Prüfung einzubeziehen.’

 

Beantwortung:

 

Gliederung:

 
1.        Büchereisystem Norderstedt
    1. Allgemeine Zielsetzungen und Aufgaben
    2. Struktur der Stadtbücherei
    3. Profile der Standorte
    4. Einzugsbereiche
    5. Büchereivertrag

 

2.        Auswirkungen der Schließungen
    1. Kundenorientierung
    2. Medien und Information (Produkt 1)

                                                               i.     Bestand

                                                              ii.     Bestandsnutzung und Einnahmeentwicklung

                                                            iii.     Öffnungszeiten

c.       Leseförderung und Literaturvermittlung (Produkt 2)
    1. Veränderungen in den Einzugsbereichen - Stadtbücherei als Standortfaktor
    2. Verträge

 

3.        Alternative Versorgung für die Einwohner/Innen Friedrichsgabes und Glashütte

 

4.        Finanzen

 

Büchereisystem Norderstedt

 

a.       Allgemeine Zielsetzungen u. Aufgaben


Die STB Norderstedt soll als sekundäre Bildungseinrichtung entsprechend ihrem aus Artikel 5 Grundgesetz abgeleitetem Informationsauftrag Information und Wissen für Lernen, Ausbildung und Lebensorientierung in einer zunehmend individualisierten und komplexer erfahrbaren Welt sichern. Zu ihren Aufgaben gehört außer der Bereitstellung und Erschließung des Medienbestandes seine Vermittlung, Beratung und Informationsdienst und Bildungs- und Kulturarbeit.
Die Stadtbücherei Norderstedt ist Teil des FORUM der Stadt Norderstedt und der von der Stadtvertretung verabschiedete “Büchereientwicklungsplan” ist entsprechend Bestandteil des “Kultur- und Weiterbildungskonzeptes der Stadt Norderstedt”.

 

b.       Struktur der Stadtbücherei Norderstedt


Mit der Stadtgründung wurde 1970 aus den drei Gemeindebüchereien - Friedrichsgabe (gegründet 1941), Garstedt (1953) und Harksheide (1961) - die Stadtbücherei Norderstedt.

Hinzu kamen 1985 die Bücherei Glashütte und 1989 die Bücherei Norderstedt-Mitte, in dessen Zuge der Standort Harksheide geschlossen wurde.
Die Bücherei in Glashütte ist in einem angemieteten Raum untergebracht, die Büchereien in Mitte, Garstedt und Friedrichsgabe in stadteigenen Gebäuden.

 

c.       Profile der Standorte


Die Büchereien in Friedrichsgabe und Glashütte dienen ausschließlich der Grundversorgung (1. Funktionsstufe), während Garstedt und Norderstedt-Mitte darüber hinaus die Aufgaben einer Bibliothek der 2. Funktionsstufe haben. Sie fungieren gemeinsam als Zentralbücherei und befriedigen mit ihren jeweiligen Bestandsschwerpunkten die gehobenen Ansprüche, die in einer Stadt der Größenordnung und soziologischen Struktur Norderstedts vorhanden sind.

 

d.       Einzugsbereiche


Die vier Stadtteilbüchereien decken mit ihren jeweiligen Einzugsbereichen das Stadtgebiet weitgehend ab. Statistische Erhebungen zeigen, dass der Einzugsbereich einer Bücherei in einem Umkreis von 2 km mit zum Rand abnehmender Tendenz liegt. NutzerInnen aus weiterer Entfernung stellen die Minderheit dar. Dies bestätigt sich in Norderstedt, auch wenn ein Teil der BenutzerInnen mehrere Büchereien aufsucht.
Generell lässt sich sagen:
  - NutzerInnen der Bücherei Garstedt nutzen häufiger auch die Bücherei Norderstedt-Mitte und umgekehrt; dies erklärt sich durch die unterschiedlichen Bestands-Schwerpunkte der beiden Büchereien im Bereich des gehobenen Bedarf.
  - der Großteil der NutzerInnen der Standorte Friedrichsgabe und Glashütte nutzt nur selten auch die anderen Büchereien, er bevorzugt das überschaubare Angebot ihrer Nachbarschaftsbücherei.

 

 

 

e.       Büchereivertrag


Die STB Norderstedt ist seit 1970 Mitglied des Büchereisystems Schleswig-Holstein, so wie zuvor die drei Ursprungsbüchereien (Abschluss eines Bibliotheksvertrags zwischen dem Verein “Büchereiwesen in Schleswig-Holstein” als Vertreter des Landes Schleswig Holstein, dem Kreis Segeberg und der Stadt Norderstedt). Mit Vertragsänderung vom 01.01.1976 wurde auch die Schulbücherei im Schulzentrum Süd angegliedert. Der Vertrag regelt neben der fachlichen Zusammenarbeit im Büchereisystem Schleswig-Holstein die Verteilung der Kosten auf die Vertragspartner.

 

 

 

 

2.     Auswirkungen der Schließung von Friedrichsgabe und Glashütte

 

a.       Kundenorientierung

 

o        Die Erreichbarkeit für die Bücherei-Benutzer/Innen würde erschwert bzw. sinken, vor allem für weniger mobile Menschen.

o        Die Nutzung der verbliebenen Büchereien in Garstedt und Mitte wäre mit Fahrtkosten, erhöhtem Individualverkehr und entsprechenden Parkplatzproblemen verbunden.

o        Die Schließung würde im Einzugsbereich die schulnahe Versorgung der SchülerInnen beenden, damit würde die Unterstützung der Bücherei für gezielte Leseförderung und Medienkompetenz fehlen (vgl. PISA-Ergebnisse).

o        Die Ausnutzung der Raumkapazität der Standorte Garstedt und Norderstedt-Mitte für die Aufnahme der Bestände aus Friedrichsgabe und Glashütte würde in der jeweiligen Bücherei eine ergänzende Möblierung und komprimierte Regalaufstellung notwendig machen:

·         die Nutzung durch Rollstuhl-Fahrer/Innen und das Befahren mit Kinderwagen erschweren bzw. ausschließen,

·         generell Arbeits- und Leseplätze reduzieren,

·         Veranstaltungen erschweren oder unmöglich machen.

 

b.       Medien und Information, Produkt 1

 

                                                                                                                                       i.   Bestand

 

    Die Zielplanung findet sich u.a. im :

-        “Büchereivertrag zwischen der Stadt Norderstedt, dem Kreis Segeberg und dem Büchereiverein Schleswig-Holstein” (1994)

-        “Bibliotheksentwicklungsplan für Öffentliche Bibliotheken in Schleswig-Holstein”, hrsg. vom Deutschen Bibliotheksverband (2003)

-        “Bibliotheksentwicklungsplan der Stadt Norderstedt”, verabschiedet am 10.11.1987 von der Stadtvertretung

 

 

31.12.03: 73.285 Einwohner

 

Kennzahl:

Soll 31.12.2003

Ist 31.12.2003

Fehl-bestand

Buchbestand und andere Print-Medien

2 Medieneinheiten (ME) je Einwohner (Ew)

146.570

 

 

110.893

= 1,5 ME/Ew

- 35.677

zuzüglich

 

 

 

 

Informations-

bestand

5 % des Printbestandes

7.329

1.547

= 1,4 %

- 5.782

AV- und E-Medien

25 % des Printbestandes

36.643

35.304

= 31,2 %

- 1.339

 

Zeitungen und Zeitschriften

im finanziellen Umfang, 10 % des Buchetats

€ 27.023

€ 18.145

= 7,7 %

€ 8.878

Gesamtbestand

 

190.542

147.714

- 42.798

 

Das Büchereisystem Norderstedt ist auch aktuell noch weit von der Zielerreichung entfernt. Eine komplette Unterbringung und Übernahme der Bestände aus Glashütte und Friedrichsgabe durch Garstedt und Norderstedt-Mitte ist rein räumlich gesehen nicht möglich, es müssten ca. 8.000 Medien ausgeschieden werden (Wert ca.160.000 EUR). Mit einer Schließung würde sich das o.g. bestandsmäßige Defizit vergrößern.

 

 

                                                             ii.     Bestandsnutzung und Einnahmeentwicklung

 

  • Anders als bei der Schließung Harksheide wäre bei einer Schließung von Friedrichsgabe und Glashütte

 

-        mit einem Rückgang der Nutzungszahlen und damit

-        der Einnahmen aus Nutzungs-/Verwaltungsentgelten

 

zu rechnen.

 

Begründung: 

Dass es im Zusammenhang mit der Schließung des Standortes Harksheide in 1990 keine Einbrüche in den Gesamt-Benutzungszahlen gegeben hat, ist darauf zurückzuführen, dass zwar Büchereinutzer aus Harksheide verloren gingen, aber in dem 2 km entfernten neuen Wohnquartier Norderstedt-Mitte um den neuen Standort herum neue Büchereinutzerinnen gewonnen wurden.

 

Dies ist bei der räumlichen Distanz zu den bestehenden Standorten Garstedt und Norderstedt-Mitte nicht zu erwarten.

 

                                                           iii.     Öffnungszeiten

 

  • Auch nach einer Schließung der Standorte Friedrichsgabe und Glashütte würden die Dienstleistungen der Stadtbücherei den Kunden/Innen weiterhin an 6 Tagen in der Woche zur Verfügung stehen.
  • Allerdings würde die Verteilung des Personals (1,4 Friedrichsgabe und 1,3 Glashütte) auf die verbleibenden Büchereien nicht zur Folge haben, dass die dortigen Öffnungszeiten ausgedehnt werden könnten, da zumindest ein Teil der jetzigen BenutzerInnen von Friedrichsgabe und Glashütte die Büchereien in Garstedt und Norderstedt-Mitte aufsuchen würden, so dass während der Öffnungszeiten ein erhöhter Personaleinsatz notwendig wäre.

 

 

c.       Produkt 2, Leseförderung und Literaturvermittlung

 

Kundenorientierung: Um Klasseneinführungen, Bibliotheksunterricht und Lesungen wahrnehmen zu können, wäre für die Schulen etc ein erhöhter Zeit-, Organisations- und Kostenaufwand notwendig.

 

 

d.       Büchereien als Standortfaktor der Stadt Norderstedt bei veränderten Einzugsbereichen

 

Die Reduzierung der büchereimäßigen Versorgung in der Stadt würde einen Verlust für die Infrastruktur und damit für die Standortvorteile der Stadt bedeuten:

 

Friedrichsgabe

  • Es wird ein größerer Zuzug bis 2010 im Norden der Stadt erwartet. Die neuen Wohngebiete liegen im nördlichen bzw. südöstlichen und südwestlichen Bereich des Einzugsbereiches. Für etwa die Hälfte der NeubürgerInnen in den südlich gelegenen Wohngebieten dürfte es keinen Unterschied machen, ob sie sich nach Norderstedt-Mitte oder Friedrichsgabe orientieren, sofern sie nicht zu o.g., in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen gehören.
  • Insbesondere für die nordöstlichen Bereiche der betroffenen Stadtteile ist eine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Norderstedt-Mitte und Garstedt zumindest augenblicklich unzureichend.

 

Glashütte

  • Es wird ein größerer Zuzug bis 2010 nordöstlich des Glashütter Marktes erwartet. Die verkehrsmäßige Anbindung legt die Nutzung einer Bücherei in Norderstedt-Mitte oder Garstedt zumindest nicht gerade nahe. Zudem ist zu erwarten, dass ein Teil der NeubürgerInnen zu den in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen gehören wird.
  • Die STB Glashütte ist hier der einzige Anbieter von Kultur mit Breitenwirkung. Sie wird hervorragend von der Bevölkerung angenommen und zeigt ungeachtet der um 27 % zu niedrigen Bestandsgröße, den kurzen Öffnungszeiten und der knappen Besetzung sehr gute Jahresergebnisse.
  • Die STB Glashütte hat auffällig viele NutzerInnen aus lesefernen und sozial schwachen Schichten und hat neben der Büchereifunktion auch eine soziale Funktion.

 

e.       Auswirkungen auf Verträge:

 

o        Büchereivertrag

- kündbar bis zum 31.07. des Jahres zum Jahresende. Das reduzierte Medienangebot und die reduzierte Zahl der Standorte hätten Folgen für den Büchereivertrag. Eine ausführliche Stellungnahme des Geschäftsführer des Büchereivereins Schleswig-Holstein e.V. liegt vor, ihre Zusammenfassung s. Anlage.

 

o        Fahrbücherei

- vertraglich geregeltes unentgeltliches Dauernutzungsrecht von Garage, Magazin und Nebenräumen des Standortes Friedrichsgabe als Stützpunkt der Fahrbücherei. Ein Aufhebungsvertrag würde die Erstattung des ursprünglichen Fördermittel in Höhe von ca. 150.000 € zur Folge haben. Hierzu s. Stellungnahme des Geschäftsführers des Büchereivereins in Anlage 1 und der Rechtsabteilung, s. Anlage 2.

 

o        Mietvertrag Glashütte

- läuft zum 31.07.2005 aus.

 
 
3.     Alternative Versorgung für die EinwohnerInnen in Friedrichsgabe und Glashütte durch die Fahrbücherei

 

o       Glashütte

Von 1979 bis 1994 wurde der Stadtteil schon einmal durch Haltepunkte der Fahrbücherei versorgt. Im Jahr der Eröffnung der Standortbücherei Glashütte (1985) hatte die Fahrbücherei-Haltepunkt Kielort ca. 10.000 Entleihungen. Mit Eröffnung der Standortbücherei Glashütte kamen jährlich ca. 40.000 Entleihungen hinzu. Aufgrund der Akzeptanz der Standortbücherei wurde der Haltepunkt der Fahrbücherei aufgelöst. In 2003 wurden 72.600 Entleihungen in der Standortbücherei getätigt.

 

    • Friedrichsgabe

Seit 1941 ist Friedrichsgabe Büchereistandort. In 2003 wurden nn Entleihungen in der Standortbücherei getätigt.

 

Der Einsatz der Fahrbücherei ist grundsätzlich möglich, jedoch stellt diese zu den vorhandenen Standortbüchereien nur eine eingeschränkte Grundversorgung dar. Es ist davon auszugehen, dass sich ein Teil der Nutzer/Innen umorientiert kann(Standortbücherei Mitte und Garstedt / Fahrbücherei), jedoch eine großer Teil auch aufgrund fehlender Mobilität von der Nutzung ausgeschlossen wird (vgl. Pkt. 1d. und 2d.).

 

Nach Auskunft des Leiters der Fahrbücherei ist die Versorgung weiterer Haltepunkte in Norderstedt aus Kapazitäts-Gründen derzeit nicht möglich. Hierzu auch die Stellungnahme des Geschäftsführers des Büchereivereins in Anlage 1.

 

Aktuell versorgt die Fahrbücherei in Norderstedt ausschließlich Grundschulen, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich einer Standortbücherei liegen. Sie stellt damit eine sinnvolle Ergänzung zu den Standortbüchereien dar. Bei Abzug des Stützpunktes der Fahrbücherei aus Norderstedt sollte über die Fortsetzung der Versorgung der Grundschulen verhandelt werden (vgl. PISA-Ergebnisse), bzw. durch alternative Standorte in Norderstedt angeboten werden (z.B. auf Bauhof Friedrich-Ebert Straße).

 

 

 

4.     Finanzen (p.A., Zahlen aus 2003)

 

Einsparungen

Geringfügige Einsparungen bei Telefon/ Internet und Sachversicherung von unter jährlich 1.000 €, sowie

o        Friedrichsgabe; Gebäude-/Bewirtschaftungskosten                                   5.976,00

o                                Glashütte; Gebäude-/Bewirtschaftungskosten/Miete                                24.591,12

 

Gewinne

Verkauf des Grundstück-Anteils/Gebäude Friedrichsgabe ca.                                                                 416.500,00

abzüglich Abrisskosten in Höhe von ca.                                                                30.000,00

netto ca.                                                                386.500,00

 

Einnahmeausfälle:

o                                Pauschalisierte anteilige Betriebskostenerstattung durch die
Fahrbücherei Friedrichsgabe/Büchereizentrale Schleswig-
Holstein                                 3.067,65

o                                aus Rückgang der Einnahmen aus Entgelten der STB
auf Grund rückläufiger Nutzung                              NN

o                                durch niedrigere Bezuschussung aus dem Bücherei-                              NN
vertrag für Medienbeschaffung und Personal

 

Mehrausgaben:

o                                Rückzahlung der Fördermittel für den Bau der                 ca.                                150.000,00             

Fahrbücherei-Stützpunktes Friedrichsgabe